Die Bürgermeisterin Toni Fritz

Sozialdemokratin mit Leib und Seele
Da kann kommen was will, ihr herzliches Temperament lässt sich die gebürtige Eidinghausenerin nicht nehmen. Als 1947 ein hagerer Kriegsheimkehrer an die Tür ihres Elternhauses klopft, lernt die damals Achtjährige endlich ihren Vater kennen. „Da war da plötzlich ein Mann, der mich erziehen wollte. Das musste erstmal in meinen Dickkopp rein“ schmunzelt die Frau, zu der ihr Name „Toni“ passt wie die Faust aufs Auge. Das Gestalten und Verwalten lernt sie schon als Jugendliche Bürokauffrau im Tischlereibetrieb der Eltern.“
Von Günther Zerbe bekommt
der kaufmännische Lehrling ein
gutes Zeugnis von der Handels-
schule. Danach folgt schon
der Sprung ins Rathaus, Abtei-
lung Sozialer Wohnungsbau.
Vom Vater hat sie das soziale
Herz am rechten Fleck, von
jetzt an geht es auf die
Überholspur.
Toni Fritz die Bürgermeisterin

Bilder mit Symbolkraft: schon als Teenager übernimmt Toni Fritz den Platz des Fahrers und hat das Steuer fest im Griff.
Bilder mit Symbolkraft:
schon als Teenager übernimmt Toni Fritz den Platz des Fahrers und hat das Steuer fest im Griff.
Toni Fritz Toni Fritz













Flott ist der Auftritt,
hier im stilvollen Orange
der Siebziger Jahre.
Die Bürgermeisterin Toni Fritz
Charmanter Eidinghausener Ur-“Ziegelstein“
1962 wird das eigene Haus mitten hinein ins Wirtschaftswunder gebaut. Fortan ist die Jupiter-
strasse (vorher Ziegelweg) der Schauplatz fröhlicher Strassenfeste, 25 Jahre leben die Fritzens im Ein-
klang guter Nachbarschaft. Am Ende verbringt Toni Fritz fast zwei Jahre am Krankenbett ihres Mannes. 2002 verliert er den Kampf gegen den Krebs. Mit drei Kindern geht das Leben weiter, sechs Enkelkinder
kommen dazu. Ende der Sechziger Jahre ist die
politische Landschaft der
Stadt Bad Oeynhausen von
der CDU geprägt, „aber in
den Gemeinden hatten die
Roten das Sagen.“ Bei der
SPD sieht sie sich gut auf-
gehoben, darf Schriftführe-
rin in einer Männergesell-
schaft werden. “Als Frau
war man eigentlich nur
geduldet, weil man mit
Finanzen und Protokoll
die lästigen Arbeiten
machte.“ schaut Toni Fritz
nachdenklich zurück.
Charmanter Eidinghausener Ur-Ziegelstein
Tanzschule Erik
Das Hochzeitspaar Fritz
25 Jahre verheiratet

Die Tanzschule Erik ist seit jeher eine Institution in Bad Oeynhausen. Hier lernt die Toni ihren Mann fürs Leben kennen.
Die Bürgermeisterin Toni Fritz

Die Frauen melden sich zu Wort.
1969 blickt die Welt auf Richard Nixon, Peter Alexander und den dritten Mann auf dem Mond. Vom SPD Ortsverein ergeht der Auftrag, im Namen der roten Rose eine Frauengruppe zu gründen. Am 22.10.1969 wird in Bonn die sozialliberale Koalition vereidigt, in Eidinghausen gründet Toni Fritz den Vorläufer zur Arbeitsgemeinschaft Sozialdemo-
kratische Frauen. Dazu gehören die großen Themen der Zeit. Wie der Abtreibung-Paragraph 218, gleiche Bildungschancen oder die Reform des Ehe- und Scheidungsrechtes. „Solange Männer nicht begreifen, dass Frauen gleichberechtigt sind, wird es die ASF geben.“ bekundet die Bezirksvorsitzende Marlene
Lubeck zum 10-Jährigen.
Toni Fritz engagiert sich
mit ganzem Herzen. „Die
Männer machen ihre Poli-
tik an der Theke, wir
armen Weiber sind nie
dabei, von Netzwerken
war keine Rede.“ Aber in
Bad Oeynhausen sollte sich
das bald ändern.









10 Jahre Eidinghausen
Gründungsversammlung der Frauengruppe ASF Gemeinsam sind wir unwiderstehlich, heißt der Schlachtruf de ASF „Gemeinsam sind wir unwiderstehlich“ heißt der Schlachtruf. Damit wird die ASF unüberhörbarer im Leben der Bad Oeynhausener Region.
Die Bürgermeisterin Toni Fritz

Die erste Frau im Männer-Rat
Die Frauen engagieren sich mit Toni Fritz für den jungen Umweltschutz, bauen den Kindergarten im Siriusweg, packen mutig heiße Eisen an, sprechen in der Lokalpolitik ihr erstes Machtwort. „Wir haben hin und wieder Ärger gemacht, im Ortsverein konnten wir schon was kippen. Ein Bus voll mit 50 Frauen, das war schon eine Macht.1972 ist Toni Fritz die erste Frau im Stadtrat. „Die Männer sagten: das hält sie körperlich nicht durch.
Aber die kannten
meinen Dickkopp
noch nicht.“ In der
ersten Fraktionssit-
zung ist die Verun-
sicherung groß, nie-
mand grüßt. Es folgt
die Arbeit im Kultur-
ausschuß und Tief-
bauausschuß. Es
gehtum Schulweg-
sicherheit und Rad-
wege. Der Respekt
bleibt nicht aus.
Die soziale Kraft
Frauen gehören ins Rathaus

































„Frauen gehören ins Rathaus“
- das Motto der ASF wird wahr:
1994 hat Bad Oeynhausen die
erste Bürgermeisterin in Westfalen.
Toni Fritz
Die Bürgermeisterin Toni Fritz

Sie macht die Gleichstellung zum Thema
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - was heute selbstverständlich klingt, ist in den 90er Jahren noch Stoff für heftige Debatten. Toni Fritz kämpft für die Gleichstellungsstelle, die Frauenpolitik ist ihr Herzenssache. „Für uns war es einfach wichtig, den Frauen Wege zu eröffnen, ihnen durch die Institutionen zu helfen.“ Auf ihrem Weg wird Toni Fritz immer wieder als Emanze beschimpft, das macht sie stolz. Die Autobahnplanung und der Werre-Park gehören heute zu den Meilensteinen der rührigen Bürgermeisterin. Der Neujahrsemfang der ASF-Frauen ist ein Stück Pionierarbeit für Netzwerken. Einmal in
den Anfangsjahren ist
Eisregen, niemand
rechnet mit einem
großen Treffen. Aber
150 Frauen kommen
durch das Wetter.
Heute sind es im
Schnitt 500, mitwachs-
ender Begeisterung.
Die Bürgermeisterin in ihrem Büro
Die Bürgermeisterin hält eine Rede Toni Fritz packt es an. Bei lokalpolitischen Entscheidungen, wie vor Ort auf der Baustelle und für die Natur. Der Spielplatz wird erneuert Waldarbeit
Die Bürgermeisterin Toni Fritz

Und rote Rosen giesst sie weiter An der Seite ihres Mannes, dem Ingenieur, war Toni Fritz viel unterwegs in der Welt. Australien, Kanada, Europa. Eidinghausen, Bad Oeynhausen und das Thema Frauen verliert sie dabei nie aus den Augen. 1999 endet ihre Zeit als Bürgermeisterin, als Netzwerkerin nutzt sie ihre Kontakte und arbeitet weiter im Sozialen. Ist Kreisvorsitzende der Arbeiterwohl fahrt, Vorstand in Altenheimen und Kindergärten, richtet
ehrenamtlich beim So-
zialgericht in Det-
mold über schwierige
soziale Fälle. Das
„Soziale“ zieht sich
wie ein roter Faden
durch das Lebenswerk
von Toni Fritz. Auch
wennes nirgendwo ge-
mütlicher ist als in
den eigenen vier Wän-
den im Jupiterweg
- hier gibt es
keinen Ruhestand.

Das soziale Netzwerk zieht sich weiter- auch im Ruhestand

„Das Eine muss sein. Das Andere liebe ich: die Natur.“ Ist die bewegte Toni Fritz etwa endlich angekommen?
Das Jahr der Frau Giesst rote Rosen