Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe

Er hat einer Generation richtiges Rechnen und Handeln beigebracht, den hiesigen Lions Club mitbegründet, trägt den Ehrenamtspreis der Stadt und ist doch durch und durch ein bescheidener Mensch geblieben: Günther Zerbe, der ehemalige Leiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Bad Oeynhausen.

Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe
Der kleine Günther als junger Pennäler Fünf Millarden Mark

Ein gewisser Albert Einstein hat gerade in Paris seine Vorlesungen zur Relativitätstheorie begonnen, als am 2. Dezember 1922 in Strausberg-Herzfelde nahe Berlin der kleine Günther in eine höchst unsichere Welt hinein geboren wird.

In Deutschland rast die Inflation, die Mark hat nur noch einen Bruchteil ihres Wertes. Als junger Pennäler erlebt er 1929 die Arbeitslosigkeit auf den Straßen und den Aufruhr radikaler politischer Strömungen.
Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe

Nicht rauchen, nicht trinken, nicht lieben. „Das können Sie später nachholen.“ heißt die Devise. Im Arbeitsdienst bis 1941 verbringt Günther Zerbe seine Jugendjahre paramilitärisch gedrillt mit konsequentem Training und absoluter Disziplin. Sein Kalkberger Ruderklub RVK hält dafür Zweier, Vierer und Achter auf den Gewässern um Berlin bereit.

Der Militärdienst im Osten führt den jungen Infanteristen über Westpreußen nach Russland in die Panzerschlachten der mittleren Ostfront. Auf dem Rückzug zwingt ihn das Fleckfi eber vom 18. Juni 1942 bis 24. September 1943 ins Lazarett. Die schwere Zeit ist ihm ohne nachzudenken gegenwärtig, die Daten scheinen eingraviert.

„Keiner wusste, wie sich die Dinge entwickeln.“ Nach dem Krieg fehlt es überall in Deutschland an qualifiziertem Nachwuchs für den Wiederaufbau. Günther Zerbe studiert deshalb Wirtschaftspädagogik in Berlin. Seine Laufbahn beginnt 1950 als Diplom-Handelslehrer an der dortigen Berufsschule für Industriekaufleute.
Das Rudern trainiert die Disziplin

Mit 19 Jahren geht es an die Ostfront.
Der Krieg beendet alle Jugendträume.


Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe

Als 32-Jähriger startet Günther Zerbe 1954 an der Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschule des Kreises Minden in Bad Oeynhausen. Zu seinen Fachgebieten gehören Betriebswirtschaftslehre, Kaufmännisches Rechnen, Finanzmathematik, Volkswirtschaftslehre, Buchführung. 25 bis 30 Schüler und Schülerinnen umfassen seine Klassen für Industriekaufleute, Großhandel und Einzelhandel.

Der strukturelle Wandel führt vom Handel zu den weißen Berufen. Statt Textil- und Möbelverkäufern kommen in der Region von Bad Oeynhausen zunehmend Arzthelferinnen, Zahnarzthelferinnen und Apothekenhelferinnen zur Ausbildung. Von 1966 bis 1987 ist Günther Zerbe örtlicher Leiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Bad Oeynhausen.

Die Zahl seiner Schüler und Schülerinnen ist vielleicht die einzige, die Günther Zerbe nie errechnet hat. Heute sind sie alle 50plus, nicht selten wird er auf der Straße angesprochen: „Hallo Herr Zerbe, kennen Sie mich noch? Heute bin ich schon Großmutter!“
Die Kaufmännische Berufs- und Berufsfachschule 1957, heute Freiherr-vom-Stein-Schule.

1987 verabschiedet das Kollegium den Studiendirektor mit diesem Portrait.

Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe
Seine Frau Ruth lernt Günther Zerbe in Berlin kennen. 1952 wird geheiratet. Sie arbeitet in der Forschung an der Berliner Charité, später in der Bad Oeynhausener Gollwitzer-Meier Klinik. Beide Kinder haben ihre Profession außerhalb von Bad Oeynhausen gefunden, der Sohn ist Anwalt, die Tochter Ärztin. „Wir telefonieren jeden Tag miteinander“, erklärt der stolze Vater.


Die Zeit des
Unruhestands
führt den
durchtrainierten Sportler
Zerbe endgültig auf den
Tennisplatz. Für den
OTC,den ältesten Oeyn-
hausener-Tennis-Club
von 1926,ist er Mitver-
fasser der Chronik zum
50. und 60., ist von 1982
bis 1987 erster Vorsitzen-
der, absolviert bis heute
seine Runden im Doppel.
Pokalverleihung in der Steffi Graf- und Boris Becker-Zeit.
Gemeinsam unterwegs mit seiner Tochter Anja.


Coach Günther mit eigenem Tennis-Nachwuchs – den Kindern Götz und Anja.
Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe

1969 gehört Günther Zerbe zu den Gründungsmit­gliedern des Lions Club Bad Oeynhausen. Die international tätige Institution ist mit über 1.3 Millionen Mitgliedern in 46.148 Clubs aus 205 Ländern und Gebieten die mitgliederstärkste Service-Cluborganisation der Welt. 1983 kommt es zur Partnerschaft (Jumelage) mit dem holländischen Lionsclub de Hondsrug
bei Groningen. Für die 80er
Jahre ­ist es ein bedeutender
Schritt zur Verständigung
über die ­Grenzen.

Zu seinem 85. Geburtstag
erhält er die höchste Auszeich-
nung der Lions für sein 40 jäh-
riges, ehrenamtliches Engagement.
2009 folgt der Ehrenamtspreis
der Stadt Bad Oeynhausen für
die Betreuung des Bülow-Brunn-
ens an die Bülowbrunnengruppe
des Vereins zur Förderung der
Kultur und Heimatpflege e.V.
Pokalverleihung in der Steffi Graf- und Boris Becker-Zeit.
Die Kinder der Johanniter Tagesstätte Kunterbunt freuen sich über die Spende aus dem Bad Oeynhausener Ehrenamtspreis für die Bülowbrunnengruppe.












Die Kinder der
Johanniter Tagesstätte
Kunterbunt freuen sich
über die Spende aus
dem Bad Oeynhausener
Ehrenamtspreis für die
Bülowbrunnengruppe.


Die Lions – für Bad Oeynhausen im Dienst am Glühweinstand.
Dipol-Handelslehrer Günther Zerbe

Das technische Museum Bülowbrunnen auf dem Salinenlehrpfad am Gradierwerk ist das älteste Baudenkmal des Staatsbades Bad Oeynhausen. Hier ist die 250 Jahre alte Pumpe zu bestaunen, welche die Sole durch riesige Eichenholzrohre zum nahe gelegenen Gradierwerk förderte.

Tausende von Besuchern
hat Günther Zerbe schon mit
­den Aktiven Dieter Fürste,
Günter Stratmann und Hans
Riesmeier in den letzten
Jahren durch das historische
Gebäude geführt. Als „Bülow-
gruppe“ haben sie seinerzeit
das Baudenkmal instand ge-
setzt und pflegen weiterhin
das Gebäude und sein In-
ventar. Und in Zukunft? Das
ehrenamtliche Engagement
für Bad Oeynhausen bleibt
für Günther Zerbe Programm.
Tief einatmen am Gradierwerk.
Das historische Pumpenhaus am Salinenlehrpfad im Sielpark.


Verbunden mit Kultur- und Heimatpflege… …das ehrenamtliche Engagement bleibt Programm.