Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
Bad Oeynhausen 1947.
Die Engländer halten die
Stadt als Verwaltungssitz
besetzt, überall fehlt
es an allem. Da macht
sich der Kaufmannssohn
Heinz Hitzemann, damals
22 Jahre, auf den Weg
ins deutsche Wirtschafts-
wunder. Für viele
Zigaretten und wenig
Geld tauscht er einen
klapprigen Opel Kadett
und baut ihn zum
Lieferwagen um.
Heinz Hitzemann, 22 Jahre, als Selbstständiger Unternehmer
Was heute Recycling heißt,
ist die erste Geschäftsidee.

Das Altpapier der Engländer
bringt er zu den Lohmann-
Werken in Bielefeld. Hier werden
daraus dringend benötigte Pappkoffer
gepresst. Die wiederum bringt der findige Kopf
als Handelsware mit, der Grundstein für ein Kaufhaus
ist gelegt.

Bald gehen die Touren zu den verschiedensten
Lieferanten quer durch Deutschland. Und in Bad
Oeynhausen gibt es plötzlich wieder - oh Wunder -
die ersten Ledertaschen und Kinderpuppen.
brauner Pappkoffer
Auf dem Weg ins Wirtschaftswunder. Am frühen Morgen startet die Einkaufstour, 
spätnachts kommt die Fuhre schwerstbeladen zurück.
Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
Heinz Hitzemann hat das Handeln im Blut. Im elterlichen „Haus der Geschenke“ in der Herforder Straße 55 packt er 1930 als kleiner Pimpf die 2 x 2 Meter großen Holzkisten aus Sonneberg aus. Sie sind randvoll gefüllt mit Thüringer Porzellanpuppen und Spielwaren, den beliebtesten Präsenten in der großbürgerlichen Kurstadt. Danach wird das leere Stückgut wieder vernagelt und mit dem Pferdefuhrwerk zurückgeschickt. (Erst in den Vierzigern wird der moderne Container erfunden.) Nach der Kaufmannslehre in Bielefeld lernt der 17-Jährige weiter dazu: Beim Arbeitsdienst organisiert er die Versorgung. 1930: das Stammhaus Hitzemann, ehemals Post und Rathaus
Heinz Hitzemanns 160qm-Baracke ist
die erste mit Schaufenstern.
Nach dem Krieg entsteht aus Gefangenen-Baracken in der Mindener Straße Bad Oeynhausens erste Einkaufsmeile. Heinz Hitzemanns 160qm-Baracke ist die erste mit Schaufenstern. Aufgrund guter Kontakte des elterlichen Traditionshauses kann er die Holzregale füllen. Der erste „Große Weihnachtsverkauf“ wird 1949 zum Fest. Mit Kampmeyer und Tinneberg wird 1945 die offizielle
„Barackengesellschaft“ gegründet. Ein Meilenstein für
die Wiederbelebung der Bad Oeynhausener Innenstadt.
Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
1954 wird die Stadt von
den Engländern freige-
geben,
der Baracken-
handel ist Geschichte.
Mit Vater Wilhelm, Bruder
Hans und der Einkaufs-
genossenschaft Kaufring
verwandelt Heinz Hitze-
mann das Stammhaus in
der Herforder Straße zu
einem der innovativsten
Kaufhäuser seiner Zeit.

Konzipiert nach neuesten
Erkenntnissen des
Ladenbaus, mit moderns-
ten technischen Mitteln.

28. Mai 1954: „Wer klug ist
und rechnet, der kauft im
Kaufhaus Hitzemann.“

Flyer von 1954, Der neue Mittelpunkt von Bad Oeynhausen, Kaufhaus Hitzemann

Das Schaufenster des Kaufhauses
Das Wirtschaftswunder: Hitzemann ist der neue Mittelpunkt von Bad Oeynhausen. Der „amerikanische Kurs“ bietet alles unter einem Dach, vom Schuhband über Wäsche bis zum Kochtopf. Was heute vielfach selbstverständlich klingt, war eine Sensation in Nachkriegs- Deutschland. Zwanglos schauen, in Ruhe vergleichen, frei auswählen - die
neue Vielfalt des Einkaufs als Erlebnis mitten in der Stadt.
Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
Aus dem Fotoalbum von Heinz Hitzemann:
Einzigartige Dokumente
der „Goldenen Jahre“ aus Bad Oeynhausen.und daneben: Zeitzeugen unter sich: mit Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (Foto Bundesarchiv)

Ein Lieferwagen vor dem Kaufhaus Hitzemann

Die Fünfziger authentisch im Bild.Als Fotograf hat Heinz Hitzemann Konsum und Kultur
für die Nachwelt dokumentiert.
Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
Bad Oeynhausen hört „Rock around the Clock“ von Bill Haley, „Granada“ von Vico Torriani oder „Heideröslein“ von Friedel Hensch und den Cypries - das Kaufhaus Hitzemann ist als Magnet mittendrin.
Kauferlebnis in neuartigen Dimensionen mit
1600 qm Verkaufsfläche.

Die Möbelabteilung vom Kaufhaus Hitzemann

Als aktuelle Trendsetter bei Hitzemann: Die heutigen Ikonen
der „Nierentisch“-Zeit. Unten: die Cafeteria mit 60 Plätzen.
Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
Erfolgreiches Wachstum und hoffnungsvoller Nachwuchs gehen bei Hitzemanns Hand in Hand. Dafür sorgt nicht zuletzt Ehefrau Ulla, die allzeit als Stütze und treusorgende Mutter von drei Kindern im Unternehmen Familie ihren Mann steht.
Wachstumsphase II: Richtfest zum erweiterten Umbau 1972.

Die neue Aussenfassade vom Kaufhaus Hitzemann

Wieder steht Bad Oeynhausen Schlange: das Kaufhaus
präsentiert jetzt hinter seiner markanten Fassade 3000 qm
Verkaufsfläche und bietet 300 Innenstadtparkplätze.
Kaufhauspionier Heinz Hitzemann
„Wo wolln‘se hin?“ „Nach Hitzemann!“Mit einem Vollsortiment auf 4000qm Verkaufsfläche und fast 200 Angestellten entwickelt sich das Kaufhaus zu einem vitalen Bestandteil von Bad Oeynhausen. Erst der gesellschaftliche Trend zur Automobilität und zur „Grünen Wiese“ setzt dem Wachstum innerhalb des
Stadtzentrums wirtschaft-
liche Grenzen. Rückblick-
end hat das Familien-
unternehme Hitzemann
einen unverzichtbaren
Beitrag zur Attraktivität
des Standortes Bad
Oeynhausen geleistet.




Bis hoch in die 90er Jahre
ist das Kaufhaus Hitzemann
ein Magnet der Kurstadt.
Neues Plakat mit neuem Slogan -auf zu Hitzemann-
Ulla und Heinz Hitzemann
schauen heute ruhig und
gelassen auf eine bewegte
Handelsgeschichte zurück,

widmen sich privat dem
Engagement in der Kirchen-
gemeinde.Nicht zuletzt soll
erwähnt sein: dem Einsatz
von Heinz Hitzemann als
Stadtrat ist es zu verdanken, dass 1976 der Grundstein für das heutige Seniorenzentrum Bethel gelegt wurde – dem Initiator von „12 Leben“. Kaufhaus Hitzemann
Bei der hauseigenen Lektüre von „Morgen“ aus 1972 wünschen sich
die Hitzemanns heute gemeinsam vor allem eines: gute Gesundheit
Gedicht Hitzemann
Gedicht Hitzemann