Rosemarie Constantin
„Was gäbe ich darum, wenn ich unser schönes Haus in Ostpreußen noch einmal sehen und weiter erhalten dürfte.“ Ein fein gemaltes Porzellanbild erinnert an die Heimat von Rosemarie Constantin. Es zeigt ein Hofgut bei Königsberg (heute Kaliningrad) im früheren Ostpreußen, dem Land an der Ostseeküste zwischen Weichsel und Memel.

Stammhaus des Vaters: Wargienen bei Königsberg
Rosemarie verliert ihre Heimat
und wird vielen eine neue
geben.
In den Wirren des
ersten Weltkriegs wird
sie 1915 als Spross
einer schöpferischen
Berliner Tonwaren-
Fabrikantenfamilie
geboren. Fünf Jahre
später stirbt die Mutter.
Im fernen Ostpreußen
wächst Rosemarie beim
Vater zu einer gestandenen
Gutsfrau heran.

Die kleine Rosemarie Constantin
2000 preußische Morgen (ca. 25 qkm) bewirtschaftet das Gut. Hier
lernt Rosemarie handfertiges Denken und Handeln von Grund auf.
Rosemarie Constantin
„Ich gehöre nach Ost-
preußen“
, sinniert die heute
96-Jährige beim Betrachten
ihrer Jugendbilder. Die kleinen
Wirtschaften hierzulande
findet sie eher bescheiden.
Ihr Hof mit 250 ha hatte
über 30 Angestellte, betrieb
Milchviehzucht mit 50 Herd-
buchkühen und züchtete
Ostpreußisch Stutbuch, ein
edles Halbblut Trakehner
Abstammung. Jede Weide hatte fließend
Wasser.
Der Gutshof

Der Hof beschäftigte 10 Gespanne, Kutscher, Landarbeiter und
Kämmerer. Die junge Gutsfrau packte überall mit an.
Rosemarie Constantin
„Eine starke Frau, voller Entschlusskraft und aufrechtem Gang.“ So tritt Rosemarie Constantin noch heute in Erscheinung. Dafür hat sie als patente Frau in der Mädchengewerbeschule in Königsberg Flicken, Stopfen, Nähen, Schneidern, Kochen und Hauswirtschaften gelernt. Doch auf dem Gut gab es keinen Strom, kein Telefon. Abends kam die Petroleumlampe auf den Tisch und der Vater las aus dem Goethe vor.
Mit 20 darf Rosemarie den Kutschbock mit dem Cabrio des Vaters
tauschen.

Das Wohnzimmer

Nur in Fotos erhalten sind das Herren-Zimmer im Danziger Barock,
das Biedermeier-Zimmer und das Ess-Zimmer aus Eschenholz.
Rosemarie Constantin

„Stets ging es ums Über-
leben. Es galt zu handeln
und durchzuhalten in
äußeren Lebensumstän-
den voller Widrigkeiten.“


Mit 25 Jahren ist die Mutter
von zwei Kindern schon
Kriegerwitwe, trägt allein die
volle Verantwortung für ihren
großen Hof. 1945 folgt die
Last von Flucht und Vertrei-
bung. Was von ihrem Gut
bleibt, ist ein Koffer
mit den Papieren.
Die Flucht führt 1945 über
Danzig führt nach Hannover in ein Flüchtlingslager.

Das Wohnzimmer

1935 die Heirat. 1940 fällt ihr Mann kurz nach der Geburt des zweiten
Kindes. Rosemaries Freundinnen sind junge Kriegerwitwen.
Rosemarie Constantin
„Neue Heimat Bad Oeynhausen.“ Die Vertriebene schlägt sich mit ihren zwei Kindern als Rotkreuzhelferin und Gefängnisaufseherin durch. 1956 kann sie das Pensionshaus Rheineck pachten. Zehn Jahre später folgt ein zweites Haus für die Krebsnachsorge. In den Siebzigerjahren erfüllt sie sich einen Lebenstraum mit ihrer „Kleinen Hotelerie“, einer gediegenen Pension in der Hindenburgstraße.

Am Grab ihres Mannes in den Ardennen: die Gräber aus
zwei Weltkriegen liegen sich hier gegenüber.

Rosemarie Constantin beim Sticken

Seit 1956 lebt Rosemarie Constantin in Bad Oeynhausen
mit ihren vielseitigen Talenten für Jung und Alt.
Rosemarie Constantin

„Heute fühle ich mich so
gut aufgehoben in meiner
schönen Wohnung wie
eine Seidenraupe in ihrem
Kokon.“


Dieses Bild hat Rosemarie
Constantin einer guten
Bekannten anvertraut.
Rückblickend hat sie viel
Schweres erlebt, ist aber nie
daran zerbrochen. Denn sie
hatte die Kraft, trotz allem
immer wieder Schönes zu
schaffen. Der Blick in das
Zimmer der Gutsfrau steht
dafür.
Hier zeigt sich unermüdliche
Schaffenskraft.

Rosemarie Constantin

Porzellanmalerei, Handarbeiten, Aquarelle - Rosemarie Constantins
„Manufaktur“ erfreut die Herzen der Generationen.